Deutsches Startup RFA nähert sich erstem orbitalen Flug mit RFA ONE; Start im Sommer 2026 angepeilt

Von: Petro Titarenko | gestern, 17:01

Während das europäische Raumfahrtprogramm versucht, aus einer verlängerten Krise herauszukommen und die Abhängigkeit von amerikanischen Startdiensten zu beseitigen, unternimmt das deutsche Startup Rocket Factory Augsburg (RFA) sehr reale Schritte in Richtung seines ersten orbitalen Flugs. Das Unternehmen hat offiziell die Lieferung der ersten und zweiten Stufe seines RFA ONE-Trägers auf das Gebiet des SaxaVord-Weltraumbahnhofs, gelegen auf den Shetlandinseln, Schottland, bestätigt. Dies ist nicht nur eine logistische Übung, sondern der letzte Abschnitt vor dem Start, der für den Sommer 2026 geplant ist.

Der Weg der Komponenten zur Startstätte war geografisch vielfältig. Die erste Stufe kam direkt aus der Hauptfabrik in Augsburg, während die zweite Stufe vom schwedischen Testgelände in Esrange geliefert wurde. Dort wurde es einer Reihe von Feuertests unterzogen, um sicherzustellen, dass die Triebwerke im entscheidenden Moment nicht vorzeitig in ein teures Feuerwerk verwandelt werden. Interessanterweise werden die neun Helix-Triebwerke, die die erste Stufe antreiben sollen, derzeit abschließend überprüft und werden in einer separaten Charge zum Weltraumbahnhof gelangen.

RFA ONE Raketenstufen in der Fabrik. Foto: Rocket Factory Augsburg

Technische Nuancen und Lernen aus Fehlern

RFA ONE ist eine dreistufige Rakete, die in der Lage ist, bis zu 1300 kg Nutzlast in eine erdnahe Umlaufbahn zu bringen. Das Hauptmerkmal des Projekts sind die Helix-Triebwerke, die nach einem geschlossener-Kreislauf-Prinzip mit sauerstoffreicher Konfiguration arbeiten. Dies ist eine ziemlich komplexe Technologie, die normalerweise von großen staatlichen Agenturen verwendet wird, nicht von privaten Startups. Doch der Weg nach Schottland war nicht klar. 2024 wurde während Tests am selben SaxaVord eine ähnliche Stufe vollständig durch ein Feuer zerstört. Dieses Ereignis zwang das Unternehmen, die Architektur der Sicherheitssysteme zu überdenken und zusätzliche Zeit für Verbesserungen aufzuwenden, um ein Wiederholen des Szenarios während des eigentlichen Starts zu vermeiden.

Wettbewerb um den europäischen Himmel

RFA ist nicht der einzige Akteur in diesem Bereich. Isar Aerospace, das spanische PLD Space und das französische MaiaSpace konkurrieren ebenfalls um das Recht, der erste private europäische Billiganbieter für Kleinsatelliten zu werden. Alle erhalten in gewissem Maße Unterstützung im Rahmen des Boost! Programms der Europäischen Weltraumorganisation. Für Europa ist der Erfolg von RFA ONE von entscheidender Bedeutung: Nach der Außerdienststellung der Ariane 5-Rakete und Verzögerungen bei Ariane 6 befand sich der Kontinent in einer Situation, in der seine eigenen Satelliten mit SpaceX-Raketen ins All geschickt werden müssen.

Am SaxaVord-Standort beginnt nun die vollständige Integrationsphase der Rakete. Ingenieure erwarten Feuertests der bereits zusammengebauten Struktur direkt auf der Startrampe. Wenn alles nach Plan läuft, wird der Sommerstart den Beginn einer neuen Ära des kommerziellen Raumfahrtes für die Alte Welt markieren, in der statt pompöser Reden präzise Berechnungen und deutsche Ingenieurskunst wirken werden.

Während private Unternehmen mit kleinen Trägern die Umlaufbahn stürmen, suchen große Akteure nach Wegen, um große Regierungsprogramme zu retten, beispielsweise wenn die Centaur 5-Stufe Artemis-Missionen unter schwierigen Bedingungen wechselnder NASA-Auftragnehmer rettet.