Preise für Elektroautos in der EU sinken erstmals seit fünf Jahren: Was hinter dem Wandel steckt

Von: Volodymyr Kolominov | gestern, 21:52

Die durchschnittlichen Kosten für Elektroautos in der Europäischen Union sind erstmals in den vergangenen fünf Jahren gesunken. Das geht aus einer Analyse der Umweltorganisation Transport & Environment hervor.

Was bekannt ist

Laut der Studie sank der Durchschnittspreis eines Elektroautos in der EU im Jahr 2025 um rund 1.800 Euro beziehungsweise 4 Prozent auf 42.700 Euro. Hauptgrund ist das wachsende Angebot günstigerer Modelle in der B-Klasse. In diesem Segment fiel der durchschnittliche Preis batterieelektrischer Fahrzeuge um 13 Prozent.

Zu den erschwinglicheren Modellen zählen etwa der Citroën ë‑C3 und der Renault 5 E‑Tech. Hersteller haben diese Fahrzeuge auch deshalb auf den Markt gebracht, um die ursprünglichen EU-Vorgaben zur Senkung der CO₂-Emissionen von Pkw-Flotten bis 2025 zu erfüllen. Diese Regeln wurden später abgeschwächt: Maßgeblich ist nun ein Dreijahresdurchschnitt für den Zeitraum 2025 bis 2027.

Nach Einschätzung von Sebastian Bock, Leiter von Transport & Environment in Deutschland, wirken CO₂-Grenzwerte positiv auf das Klima und auf die Haushaltskasse der Verbraucher. Bleiben die Ziele für 2030 bestehen, könnten neue Elektroautos seiner Ansicht nach schon bald günstiger werden als vergleichbare Verbrenner.

Der Preisrückgang im Jahr 2025 steht im klaren Gegensatz zu den Vorjahren. Von 2020 bis 2024 war der Durchschnittspreis für Elektroautos um etwa 5.000 Euro gestiegen. Der Grund: Viele Hersteller setzten vor allem auf größere und margenstärkere Modelle.

Dazu gehören unter anderem Audi Q4 e‑tron, Audi e‑tron GT, Volkswagen ID.4, Volkswagen ID.5, Volkswagen ID.7, BMW iX, BMW i4, BMW i7, Mercedes‑Benz EQE, Mercedes‑Benz EQS und der Porsche Taycan.

Nun bereiten die Hersteller neue, günstigere Modelle vor. Genannt werden etwa der Volkswagen ID. Polo und der Cupra Raval sowie die kompakten Crossover Volkswagen ID. Cross und Skoda Epiq. Der Einstiegspreis des Volkswagen ID. Polo dürfte bei rund 25.000 Euro liegen, die übrigen Modelle sollen etwas teurer werden.

Nach Schätzung von Transport & Environment könnten Elektroautos in den Segmenten D und E bis 2024 Preisgleichheit mit Verbrennern erreicht haben. In den Klassen A, B und C könnte das bis 2030 gelingen — vorausgesetzt, die Hersteller senken ihre Kosten weiter und geben diese Vorteile an die Kunden weiter.

Allerdings könnte sich dieser Trend abschwächen, falls die EU die CO₂-Vorgaben für 2030 lockert. Analysten rechnen in diesem Fall damit, dass der Durchschnittspreis für ein Elektroauto in der EU um etwa 2.300 Euro höher ausfallen könnte als bei unveränderten Zielen.

Das hätte auch Folgen für die Verbreitung der Elektromobilität. Wird das CO₂-Ziel für 2030 über drei Jahre gemittelt, könnte der Anteil von Elektroautos an den Neuzulassungen von 57 auf 47 Prozent sinken. Bei einem Durchschnitt über fünf Jahre wäre sogar ein Rückgang auf 32 Prozent möglich.

Die Fachleute von Transport & Environment warnen deshalb: Lockerere Vorgaben dürften die Hersteller erneut dazu verleiten, sich stärker auf teurere Modelle statt auf kompakte E-Autos für den Massenmarkt zu konzentrieren. Gleichzeitig bauen chinesische Hersteller ihre Positionen auf dem europäischen Markt weiter aus.

Für Käufer in Deutschland ist das eine wichtige Entwicklung. Mehr günstige Modelle könnten den Umstieg auf ein Elektroauto spürbar erleichtern, gerade in einem Markt mit hohen Energie- und Fahrzeugkosten. Entscheidend bleibt jedoch, ob die Politik an klaren CO₂-Zielen festhält und ob die Hersteller niedrigere Produktionskosten tatsächlich an Verbraucher weitergeben.

Quelle: Electrive