Renaissance der Railgun: Die US-Marine lässt es in New Mexico wieder krachen
Totgesagte leben länger, besonders wenn sie tonnenschwer sind und Projektile mit siebenfacher Schallgeschwindigkeit verschießen. Die US-Marine hat im Februar 2025 auf dem Testgelände White Sands in New Mexico eine dreitägige Testreihe mit ihrem elektromagnetischen Schienengeschütz (Railgun) durchgeführt. Das kommt überraschend, da das Programm Anfang der 2020er Jahre eigentlich offiziell eingemottet wurde. Doch technische Ambitionen und politische Prioritäten finden oft einen Weg, das Budget wiederzubeleben.
Physik statt Pulverdampf
Das Prinzip der Railgun ist so simpel wie brachial: Anstatt eine chemische Explosion zu nutzen, um ein Projektil durch ein Rohr zu jagen, setzt man auf elektromagnetische Felder. Zwei parallele Schienen leiten massiven Strom durch einen Schlitten, der das Projektil hält. Die dabei entstehende Lorentzkraft beschleunigt das Geschoss auf Geschwindigkeiten, die herkömmliche Artillerie wie Spielzeug aussehen lassen.
Um die Verhältnisse einzuordnen, hilft ein Blick auf die Standardbewaffnung aktueller Zerstörer. Die Mark 45 Mod 4, eine 127-mm-Kanone, beschleunigt ein 31 kg schweres Geschoss auf etwa 760 bis 830 m/s. Die Reichweite liegt dabei je nach Munitionstyp zwischen 24 und 37 km. Der Railgun-Prototyp hingegen katapultiert einen 10 bis 12 kg schweren Metallbolzen auf 2 bis 2.5 km/s. Das entspricht mehr als Mach 6. Die kinetische Energie ist so gewaltig, dass kein Sprengkopf nötig ist – der bloße Aufprall erledigt den Job durch schiere Zerstörungskraft.
Hitzige Probleme und neue Hoffnungen
Dass die Marine das Projekt jahrelang pausierte, lag nicht an mangelndem Enthusiasmus, sondern an der harten Realität der Materialwissenschaft. Eine Railgun frisst Energie wie eine Kleinstadt und erzeugt dabei so viel Hitze, dass die Schienen nach wenigen Schüssen buchstäblich verschleißen oder sich verformen. Zudem braucht man Schiffe, die diese gewaltigen Strommengen überhaupt bereitstellen können – ein Problem, das selbst die modernen Zerstörer der Zumwalt-Klasse an ihre Grenzen brachte.
Die erneuten Tests fanden in Zusammenarbeit mit dem Joint Hypersonics Transition Office statt. Das deutet darauf hin, dass die Railgun nun als Teil eines größeren Puzzles aus Hyperschallwaffen und Lasersystemen betrachtet wird. Im Kontext der von der US-Regierung unter Donald Trump (Donald Trump) forcierten Pläne für eine deutlich größere Flotte scheint die Technologie wieder auf der Prioritätenliste gelandet zu sein. Neue Schiffsklassen könnten von vornherein mit der nötigen Energieinfrastruktur geplant werden, um diese kinetischen Monster zu füttern.
Kinetische Diplomatie auf Distanz
Die Rückkehr zur Railgun zeigt, dass das Pentagon weiterhin auf technologische Überlegenheit durch rohe Gewalt setzt. Während Raketen teuer sind und abgefangen werden können, ist ein massiver Metallklotz, der mit Mach 7 vom Himmel fällt, ein Albtraum für jede Luftabwehr. Ob die Ingenieure die Probleme mit der Abnutzung der Läufe mittlerweile gelöst haben, bleibt ein militärisches Geheimnis. Die Tatsache, dass man wieder schießt, spricht jedoch Bände über das Vertrauen in die Machbarkeit.
Während die US-Marine auf der Erde nach neuen Wegen sucht, Metall auf Rekordgeschwindigkeit zu bringen, nähert sich das deutsche Startup RFA dem ersten orbitalen Flug seiner RFA ONE Rakete, was unterstreicht, dass Geschwindigkeit und Präzision auch im zivilen Sektor die entscheidenden Währungen bleiben.