Briten und Deutsche planen Rakete mit 2000 km Reichweite: Strategie statt Hoffnung

Von: Paul Schmitt | heute, 12:53

London und Berlin haben beschlossen, dass diplomatische Floskeln allein nicht mehr ausreichen, um auf der Landkarte Eindruck zu schinden. Stattdessen setzen Großbritannien und Deutschland auf handfeste Hardware: Ein neues Raketensystem soll her, das Ziele in über 2000 Kilometern Entfernung präzise aus dem Spiel nehmen kann. Was früher als „unbequem“ galt, wird heute unter dem Label der strategischen Souveränität als absolute Notwendigkeit verkauft.

Ein Erbe des Trinity House Agreements

Die Grundlage für dieses ambitionierte Vorhaben ist das im Oktober 2024 unterzeichnete Trinity House Agreement. Damals versprachen sich beide Nationen eine engere militärische und industrielle Zusammenarbeit. Nun folgen Taten: In Berlin trafen sich der britische Minister für Rüstungsindustrie, Luke Pollard, und der deutsche Staatssekretär für Rüstung, Jens Plötner, um die Details einer bilateralen Arbeitsgruppe zu besprechen. Es geht nicht mehr nur um den Austausch von Ersatzteilen, sondern um die Entwicklung einer völlig neuen Waffen-Familie.

Präzision auf Distanz

Das Projekt sieht die Entwicklung von weitreichenden Hochpräzisionswaffen vor. Dabei wird nicht gekleckert: Geplant sind sowohl schwer detektierbare Marschflugkörper mit Tarnkappeneigenschaften als auch potenzielle Hyperschall-Systeme. Wer in der modernen Kriegsführung mitspielen will, darf auf dem Radar eben nicht wie ein Weihnachtsbaum leuchten. In der ersten Phase konzentriert man sich auf bodengestützte Systeme. Das ist logisch, da diese im Vergleich zu luft- oder seegestützten Varianten schneller einsatzbereit und oft kosteneffizienter zu betreiben sind. Später sollen jedoch Versionen folgen, die von Schiffen oder Flugzeugen gestartet werden können.

Die strategische Lücke schließen

Warum das Ganze? Bisher verlassen sich europäische Armeen bei Schlägen über große Distanzen oft auf US-amerikanische Technik. Doch das Vertrauen in den großen Bruder über dem Teich ist – vorsichtig formuliert – von tagespolitischen Schwankungen abhängig. Mit einer Reichweite von über 2000 Kilometern könnten europäische Streitkräfte strategische Ziele weit hinter der Frontlinie erreichen, ohne ihre Luftwaffe direkt in die Gefahrenzone schicken zu müssen. Es ist der Versuch, eine „Lücke“ in der Abschreckung zu schließen, die jahrelang ignoriert wurde.

Die Indienststellung ist für die 2030er Jahre geplant. Das klingt nach einer Ewigkeit, ist aber für militärische Großprojekte fast schon ein Sprinttempo. Ob die „innovativen“ Ansätze der Ingenieure tatsächlich pünktlich und im Budget bleiben, wird die Zeit zeigen. Dass die Zusammenarbeit zwischen der Insel und dem Festland nun Fahrt aufnimmt, ist jedoch ein klares Signal an die Konkurrenz im Osten.

Während das Militär an der Zerstörungskraft feilt, arbeitet die deutsche Privatwirtschaft an der vertikalen Mobilität: Das Deutsches Startup RFA nähert sich erstem orbitalen Flug und zeigt, dass Berlin auch in der Raumfahrt Ambitionen hat, die über reine Verteidigungsstrategien hinausgehen.