Spiders ist Geschichte: GreedFall-Studio nach Nacon-Kollaps liquidiert
Das Pariser RPG-Studio Spiders existiert nicht mehr. Nach dem Scheitern aller Verkaufsversuche durch Publisher Nacon ordnete ein französisches Gericht am 29. April 2026 die Liquidation an. Alle 75 Beschäftigten verloren sofort ihren Job. Das Ende trifft ein Studio, das mit GreedFall (2019) noch über zwei Millionen Einheiten verkauft hatte.
Der Auslöser
Nicht Spiders selbst hat versagt — zumindest nicht allein. Den Anstoß gab Bigben Interactive, Nacons Mehrheitseigentümer, der im Februar 2026 eine Anleihe über 43 Millionen Euro nicht zurückzahlen konnte. Der Zahlungsausfall riss Nacon in die Insolvenz, Spiders und die Schwestergesellschaften Cyanide und Kylotonn folgten im März 2026 mit eigenen Insolvenzanträgen. Das zuständige Tribunal de Commerce in Lille eröffnete ein sogenanntes Redressement judiciaire — ein Gläubigerschutzverfahren nach französischem Recht, das acht Wochen Zeit für die Suche nach einem Käufer ließ. Niemand meldete sich.
Das Scheitern des letzten Spiels
Erschwerend kam hinzu, dass GreedFall: The Dying World, das im März 2026 den Early Access verließ, kommerziell komplett durchfiel. Laut Kotaku erreichte das Spiel auf Steam kaum 1.000 gleichzeitige Spieler — verglichen mit rund 16.000 beim ersten GreedFall. Für potenzielle Käufer war das kein attraktives Portfolio. Das versprochene DLC wird nun von Nacon veröffentlicht, nicht vom ursprünglichen Entwicklerteam.
Was bleibt
Spiders wurde 2008 von ehemaligen Monte-Cristo-Multimedia-Mitarbeitern gegründet, darunter Autorin Jehanne Rousseau. Das Studio war bekannt für seine eigenwilligen, budgetbewussten RPGs — intern oft als „Eurojank" bezeichnet, mit echtem Charme und treuer Fangemeinde. Steelrising und GreedFall waren in Deutschland über Steam und PlayStation erhältlich. Der Discord-Server wurde an die Community übergeben.
Der Fall Spiders ist laut PC Gamer ein Warnsignal für die gesamte europäische AA-Spielebranche: Studios mittlerer Größe sind besonders anfällig, wenn ein zentralisierter Publisher strauchelt. Die französische Gewerkschaft STJV hatte Nacon bereits im März öffentlich für schlechtes Management kritisiert — darunter der Einsatz von KI-Werkzeugen ohne klare Strategie, so GamingBolt. Für die 75 Entwicklerinnen und Entwickler kommen diese Debatten zu spät.