PS5 als Linux-PC: Hypervisor-Exploit macht Sonys Konsole zur Workstation
Wer seine PlayStation 5 nie aktualisiert hat, sitzt möglicherweise auf einem vollwertigen Linux-Rechner. Der Sicherheitsforscher Andy Nguyen, bekannt als TheFlow, hat den Bootloader ps5-linux auf GitHub veröffentlicht. Dieser nutzt eine bereits gepatchte Schwachstelle im Hypervisor der Konsole, um ein alternatives Betriebssystem zu starten – und das ganz ohne Lötkolben.
Die Firmware-Hürde
Der Exploit setzt Firmware 3.xx oder 4.xx voraus, konkret die Versionen 3.00 bis 4.51. Sony hat die Lücke in späteren Updates geschlossen. Wer seine PS5 regelmäßig aktualisiert hat – was PSN-Dienste ohnehin voraussetzen –, kann den Loader nicht nutzen. Eine PS5 Phat (Disc-Modell) mit so alter Firmware ist auf dem deutschen Gebrauchtmarkt kaum zu finden, wie Hackaday festhält. Firmware-Downgrades sind technisch theoretisch möglich, gelten aber als wenig zuverlässig.
I ported Linux to the PS5 and turned it into a Steam Machine. Running GTA 5 Enhanced with Ray Tracing. ? pic.twitter.com/aMbT0PQ1dS
— Andy Nguyen (@theflow0) March 6, 2026
Das Verfahren ist ein reines Soft-Mod: Es wird keine Hardware verändert, und die interne SSD bleibt unangetastet. Linux läuft auf einem separaten Bereich des Speichers. Nachteil: Der Exploit muss nach jedem Neustart erneut ausgeführt werden – eine dauerhafte Installation ist nicht möglich.
Was Linux auf der PS5 leistet
Die Hardware der PS5 ist für einen Linux-Betrieb gut geeignet: Ein Achtkern-Prozessor mit Zen-2-Architektur und eine RDNA-2-Grafikeinheit entsprechen in etwa einem soliden Mittelklasse-PC. In der Praxis laufen erste Spiele beeindruckend stabil – GTA V Enhanced mit Raytracing etwa erreicht laut OMG! Ubuntu stabile 60 Bilder pro Sekunde bei 1440p-Auflösung.
Die Konsole verwandelt sich damit in etwas, das Valve mit den Steam Machines angestrebt hatte: ein Wohnzimmer-Gaming-PC unter Linux. Angesichts weiterhin hoher Preise für diskrete Grafikkarten ist eine gebrauchte PS5 mit alter Firmware rechnerisch eine interessante Alternative – vorausgesetzt, man findet ein solches Gerät überhaupt.
Einschränkungen im Alltag
Der Betrieb unter Linux ist nicht reibungslos. Das eingebaute Bluetooth funktioniert nicht; für den DualSense-Controller wird ein externer USB-Dongle benötigt. Zudem berichten Nutzer von HDMI-Kompatibilitätsproblemen mit bestimmten Monitoren, und 120-Hz-Betrieb wird derzeit nicht unterstützt, wie Tom's Hardware dokumentiert. Für den täglichen Einsatz als Workstation ist das Projekt damit noch nicht geeignet – es bleibt vorerst ein Werkzeug für die DIY-Community.
Ausblick
Das Projekt zeigt, dass Sonys Absicherung nicht unüberwindbar ist. Die Entwickler-Community arbeitet daran, Treiber für Bluetooth, WLAN und weitere Komponenten nachzurüsten. Ob künftige Firmware-Versionen ähnliche Schwachstellen bieten werden, ist offen – Sony schließt bekannte Lücken konsequent mit jedem Update.