China Southern kauft 137 Airbus-Jets: Europas Luftfahrt gewinnt den Kampf um China

Von: Paul Schmitt | heute, 18:57

China Southern Airlines und ihre Tochtergesellschaft Xiamen Airlines haben gemeinsam 137 Flugzeuge der A320neo-Familie bei Airbus bestellt. Der Listenpreis beläuft sich auf 21,4 Milliarden US-Dollar – doch der tatsächliche Kaufpreis liegt deutlich darunter. Für Airbus ist es ein strategischer Coup: Der Konzern festigt seine Stellung im größten Luftfahrtmarkt der Welt, während Boeing seit Jahren kaum Fuß fasst.

Die Bestellung

China Southern übernimmt 102 Maschinen, Xiamen Airlines weitere 35. Die Lieferungen sind für den Zeitraum 2028 bis 2032 geplant. Wie in der Branche üblich, weicht der reale Kaufpreis erheblich vom Katalogpreis ab – laut Simple Flying sind Rabatte von 20 bis 50 Prozent bei Großbestellungen die Norm. China Southern selbst sprach offiziell von „fairen und angemessenen" Konditionen – was in der Unternehmenssprache bedeutet, dass beide Seiten das Maximum herausgeholt haben.

Der A320neo (New Engine Option) verbraucht gegenüber älteren Modellen rund 15 bis 20 Prozent weniger Treibstoff. Bei den Energiekosten, die eine Airline heute stemmt, ist das kein Komfort, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. China beförderte 2025 mehr als 500 Millionen Passagiere – mehr als jedes andere Land der Welt. Kurzstreckenmaschinen wie die A320neo sind das Rückgrat dieses Marktes.

Airbus gewinnt, Boeing wartet

Während Airbus im Oktober 2025 in Tianjin eine zweite Endmontagelinie für die A320-Familie eröffnet hat und bis 2027 auf 75 Maschinen pro Monat hochfahren will, kommt Boeing in China kaum vom Fleck. Seit 2018 verkaufte Boeing lediglich 49 Flugzeuge auf dem chinesischen Festland. Ein viel diskutierter Deal über rund 500 Maschinen bleibt bislang Spekulation – abhängig von einem möglichen Treffen zwischen US-Präsident Trump und Chinas Staatschef Xi.

Auch die chinesische Eigenentwicklung COMAC C919 hilft Boeing nicht. Der heimische Hersteller produziert derzeit laut Euronews etwa ein Flugzeug pro Monat – viel zu wenig, um den wachsenden Bedarf auch nur annähernd zu decken. Das verschafft Airbus ein Zeitfenster, das der Konzern konsequent nutzt.

Langfristige Bindung durch Technik

In der A320neo steckt europäisches Know-how: Die CFM-Triebwerke entstammen einem Gemeinschaftsprojekt von Safran (Frankreich) und GE (USA). Wer diese Motoren betreibt, bezieht Ersatzteile, Wartungsverträge und Software über Jahrzehnte aus demselben Ökosystem. Das ist der eigentliche Wert eines solchen Auftrags – weit jenseits des Listenpreises. Travel & Tour World weist darauf hin, dass auch Xiamen Airlines, einst reiner Boeing-Betreiber, seit 2023 auf Airbus-Maschinen setzt – ein klares Signal der Flottenumstellung.

Airbus hat China nicht mit Patriotismus gewonnen, sondern mit Montagelinien vor Ort, stabiler Lieferkette und Preisen, auf die sich Käufer einlassen können. Das ist schwerer zu kopieren als jedes Marketingversprechen.