BYD bricht ein: Gewinn halbiert sich wegen Preiskampf und Steuereffekten
BYD hat seinen schlechtesten Quartalsgewinn seit drei Jahren gemeldet. Der chinesische Elektroautohersteller erzielte im ersten Quartal 2026 einen Nettogewinn von 4,09 Milliarden Yuan (rund 530 Millionen Euro) – ein Einbruch von 55,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig wächst das Unternehmen in Europa schneller als Tesla. Für Käufer hierzulande ist das eine zwiespältige Nachricht.
Der Absturz
Zwei Faktoren haben BYD im Inland schwer getroffen. Erstens tobt in China ein brutaler Preiskampf: Hersteller unterbieten sich gegenseitig, bis die Margen kaum noch messbar sind. Zweitens griff der chinesische Staat zum Jahresbeginn 2026 in die Subventionsschraube: Die Kaufsteuerbefreiung für Elektroautos wurde auf maximal 15.000 Yuan (rund 1.900 Euro) pro Fahrzeug gedeckelt. Käufer hatten sich Ende 2025 mit Bestellungen beeilt, um noch von der vollen Förderung zu profitieren – das zog die Nachfrage aus dem ersten Quartal 2026 heraus. Die Folge: Nur 700.463 elektrifizierte Fahrzeuge wurden verkauft, 30 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz sank um 11,8 Prozent auf 150,2 Milliarden Yuan – der dritte Rückgang in Folge, berichtet AutoWorld.
Europa als Ausweg
BYD reagiert mit verstärktem Exportdruck. Die Auslieferungen ins Ausland stiegen im ersten Quartal um 55 Prozent auf 321.165 Einheiten – Übersee macht inzwischen 38 Prozent des Gesamtumsatzes aus. In der EU verdoppelten sich die Neuzulassungen in den ersten beiden Monaten 2026 auf 29.291 Einheiten und übertrafen damit erstmals Tesla, so Cryptopolitan.
In Deutschland ist der Dolphin Surf ab 19.990 Euro erhältlich, produziert seit 2025 im ungarischen Szeged-Werk. Der Tang kommt ab 72.000 Euro. Den neuen Flaggschiff-SUV Datang – in China für umgerechnet rund 32.000 Euro vorbestellbar und mit über 30.000 Reservierungen am ersten Tag ein Verkaufserfolg in Peking – hat BYD für Europa noch nicht offiziell angekündigt, so Electra.
Ungarn und die offenen Fragen
Das Szeged-Werk, auf 300.000 Fahrzeuge jährlich ausgelegt, gerät zunehmend unter Beobachtung. China Labor Watch veröffentlichte im April 2026 einen Bericht über Arbeitsbedingungen in der Fabrik. EU-Abgeordnete haben das Thema aufgegriffen – was für BYDs Zulassungen und Förderfähigkeit in Deutschland relevant werden könnte.
Gleichzeitig überholte Geely BYD im ersten Quartal erstmals bei den Inlandszulassungen in China. Der Vorsprung, den sich BYD über Jahre erarbeitet hat, schrumpft. Ob das Unternehmen den Margendruck durch Premium-Modelle und Exportwachstum auffangen kann, entscheiden die nächsten Quartale.