Meta testet freiwillige „AI creator"-Kennzeichnung auf Instagram

Von: Paul Schmitt | heute, 03:50

Instagram erprobt ein neues Profil-Label namens „AI creator" – und wer es aktiviert, macht damit sichtbar, dass sein Account regelmäßig KI-generierte oder KI-bearbeitete Inhalte veröffentlicht. Die Kennzeichnung erscheint nicht nur im Profil, sondern auch direkt neben Beiträgen und Reels. Der Haken: Sie ist vollkommen freiwillig.

Das Label

Der genaue Wortlaut lautet: „This profile posts content that was generated or modified with AI." Das ist deutlich konkreter als die bisherigen „AI info"-Hinweise, die bislang nur vage auf mögliche KI-Nutzung hindeuteten. Das Label gilt für das gesamte Profil, nicht für einzelne Beiträge – wer es einschaltet, kennzeichnet damit seinen kompletten Account.

Meta selbst ermutigt Creator, die häufig KI einsetzen, die Markierung zu verwenden. Zur Pflicht macht das Unternehmen sie jedoch nicht. Das bedeutet in der Praxis: KI-schwere Accounts, die lieber unerkannt bleiben wollen, können das Label schlicht ignorieren. Metas eigene Oversight Board hatte bereits darauf hingewiesen, dass dem Konzern wirksame automatische Erkennungswerkzeuge für KI-Inhalte fehlen – laut Android Headlines dürften Nutzer künftig auf KI-Inhalte stoßen, ob mit oder ohne Label.

Die Regulierungslücke

Für den deutschen Markt ist die Freiwilligkeit besonders brisant. Ab dem 2. August 2026 verpflichtet Artikel 50 des EU AI Acts Plattformen und Anbieter dazu, KI-generierte Inhalte maschinenlesbar zu kennzeichnen – Deepfakes und KI-Texte zu Themen von öffentlichem Interesse eingeschlossen. Ein optionales Label, das Creator nach Belieben aktivieren oder ignorieren können, erfüllt diese Anforderung nicht.

Erschwerend kommt hinzu: Meta hat sich geweigert, den freiwilligen EU-Verhaltenskodex für KI-Systeme zu unterzeichnen, wie TechCrunch dokumentiert hat. Das signalisiert wenig Bereitschaft zu transparenter KI-Governance – und stellt die deutschen Regulierungsbehörden vor die Frage, wie sie Artikel 50 ab kommendem Jahr durchsetzen wollen. Vergleichbare DSA-Beschwerden gegen Plattformen wegen unzureichender KI-Transparenz zeigen, dass der Regulierungsdruck hierzulande wächst.

Ausblick

Das freiwillige Label ist ein erster Schritt, aber kein ausreichender. Für Creator in Deutschland, Österreich und der Schweiz bedeutet die aktuelle Testphase vor allem eines: In spätestens 15 Monaten dürften die Spielregeln verbindlich neu geschrieben werden – unabhängig davon, ob Meta mitspielt oder nicht.