Telefonieren ohne Netz: Huawei weitet Offline-Anrufe auf mehr Geräte aus

Von: Paul Schmitt | heute, 15:38

Huawei baut seine Offline-Kommunikationsfunktion auf weitere Smartphone-Serien aus – Anrufe und Nachrichten sollen künftig auch ohne Mobilfunknetz funktionieren. Die Funktion namens Meetime Wireless debütierte im Flaggschiff-Mate-80-Portfolio und steht laut Huawei Central nun auch für Mittelklasse-Modelle bereit. Für Nutzer hierzulande ist das allerdings vorerst keine praktische Option.

Die Technik

Meetime Wireless verbindet zwei Huawei-Geräte direkt miteinander – ohne Basisstation, ohne SIM-Karte, sogar im Flugmodus. Das Gerät schaltet dabei alle übrigen Funkmodule ab, hält aber den Meetime-Direktkanal offen. Nutzer können Kontakte in der Nähe sehen, Sprachanrufe führen und Textnachrichten verschicken. Huawei gibt eine maximale Reichweite von 7 km an – ein Wert aus Extremtests unter Idealbedingungen; in einer Stadt mit Beton und Glas fällt dieser deutlich geringer aus. Für Situationen ohne Netz, etwa in abgelegenen Bergregionen oder bei Netzausfällen, ist das Konzept dennoch bemerkenswert.

Das Huawei Mate 80 Pro – Flaggschiff der Mate-80-Reihe, mit der Meetime-Offline-Funktion erstmals eingeführt. Illustration: Huawei

Die unterstützten Geräte

Das Rollout umfasst folgende Modelle:

- Huawei Mate 80, Mate 80 Pro, Pro Max und RS Ultimate Design - Falt-Smartphones Mate X7 und Mate XTs - Pura-80-Serie - Nova 15, Nova 14 Ultra und Nova 14 Pro - Mate 70 Air

Huawei positioniert die Funktion damit nicht mehr als exklusives Aushängeschild der Topklasse, sondern als Ökosystem-Merkmal quer durch das Portfolio.

Der europäische Vorbehalt

Genau dieses Ökosystem-Denken bereitet in Europa Kopfzerbrechen. Meetime Wireless funktioniert ausschließlich zwischen Huawei-Geräten – wer die Funktion nutzen möchte, ist vollständig an den Hersteller gebunden. In Deutschland ist die Offline-Variante ohnehin nicht verfügbar; auf den offiziellen Huawei-Support-Seiten für westliche Märkte fehlt jeder Hinweis auf die Funktion.

Dazu kommt der regulatorische Druck: Das EU-Cybersicherheitsgesetz, das seit Anfang 2026 gilt, sieht für als risikobehaftet eingestufte Anbieter eine bis zu 36-monatige Frist zur Komponentenablösung vor – Huawei ist dabei implizit gemeint, wie CNBC berichtet. Deutschland hat zudem chinesische Komponenten im künftigen 6G-Netz grundsätzlich ausgeschlossen.

Andere Hersteller setzen währenddessen auf plattformübergreifende Ansätze: Apple etwa hat Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für iMessages zwischen iPhone und Android eingeführt – ein Schritt Richtung Offenheit statt proprietärer Abhängigkeit. Huaweis Offline-Anruf ist technisch beeindruckend; sein Nutzen bleibt jedoch an ein geschlossenes Ökosystem geknüpft, das auf dem deutschen Markt weiter an Rückhalt verliert.