Geely kauft Fords Werklinie in Spanien: 300.000 Autos pro Jahr aus Valencia
Geely übernimmt die brachliegende Body-3-Montagelinie im Ford-Werk Almussafes bei Valencia und plant dort die Produktion von über 300.000 Fahrzeugen jährlich. Der chinesische Automobilkonzern vermeidet damit den zusätzlichen EU-Zollsatz von 18,8 Prozent auf in China gefertigte Elektroautos – und haucht gleichzeitig einer fast leerstehenden Fabrik mit 400.000 Einheiten Jahreskapazität neues Leben ein. Für die Region Valencia bedeutet das den Erhalt und möglichen Ausbau tausender Arbeitsplätze.
Das Werk
Die Anlage in Almussafes war lange Fords wichtigster Fertigungsstandort in Europa. Nach dem Auslaufen der Modelle Mondeo, Galaxy und S-Max steht die Body-3-Halle still; nur die Linien Body 1 und 2 laufen noch für den Ford Kuga. Geely kauft genau diese stillgelegte Halle und betreibt sie unabhängig von Fords verbliebener Fertigung, berichtet La Tribuna de Automoción. Sowohl Ford als auch Geely sprechen offiziell noch von „laufenden Gesprächen", die spanische Fachpresse wertet den Abschluss jedoch als weitgehend gesichert.
Die Plattform
Produziert werden Fahrzeuge auf der GEA-Architektur (Global Energy Architecture) – Geelys modulare Basis für Elektro-, Hybrid- und Plug-in-Hybridantriebe. Das Projekt trägt intern den Namen „135". Die Plattform ist in China bereits im Einsatz, etwa im Geely Galaxy A7 und E5. Ihre Flexibilität soll es dem Konzern ermöglichen, schnell auf wechselnde Nachfrage nach verschiedenen Antriebsarten zu reagieren – ein Vorteil gerade in einem europäischen Markt, dessen Förderstrukturen sich regelmäßig ändern.
Das erste Modell
Den Auftakt macht voraussichtlich der kompakte Elektro-SUV EX2 (in Europa als E2 vermarktet). Das Fahrzeug misst 4,13 Meter in der Länge und passt damit in das meistgefragte Kompakt-SUV-Segment. In China war der EX2 das meistverkaufte Auto des Jahres 2025 mit 465.775 Einheiten, so El Correo Gallego. Zwei Batteriegrößen stehen zur Wahl: 30,1 kWh und 40,1 kWh; die Reichweiten betragen nach dem chinesischen CLTC-Zyklus bis zu 310 bzw. 410 Kilometer – europäische WLTP-Werte werden realistisch etwas darunter liegen. Preise und genaue Spezifikationen für den deutschen Markt hat Geely noch nicht kommuniziert; die Markteinführung in Europa ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant.
Der Kontext
Das Vorgehen hat einen Vorläufer: BYD übernahm 2025 das frühere VW-Werk in Dresden als europäischen Produktionsstandort. Almussafes könnte nun zum zweiten Beispiel dafür werden, wie chinesische Hersteller durch lokale Fertigung EU-Zölle umgehen und gleichzeitig Industriepolitik in ihrem Sinne gestalten, analysiert STARNEWS. Daneben kursieren Spekulationen, Ford könnte auf der GEA-Plattform einen Nachfolger des Puma entwickeln – belastbare Belege dafür fehlen bislang.