Google stellt Project Mariner ein – Technik wandert in Gemini
Google hat am 4. Mai 2026 Project Mariner eingestellt – einen Browser-Agenten, der seit Dezember 2024 Aufgaben im Web selbstständig erledigen sollte. Das klingt nach einem weiteren Eintrag im langen Google-Friedhof geschlossener Produkte, ist aber diesmal etwas anderes: Die Technologie dahinter fließt direkt in Gemini ein und soll dort für alle Nutzer zugänglich werden.
Das Projekt
Project Mariner war ein KI-Agent, der bis zu zehn Aufgaben gleichzeitig im Browser ausführen konnte – Hotel buchen, Preise vergleichen, Formulare ausfüllen, alles ohne menschliches Eingreifen. Das Besondere: Der Agent konnte durch Webseiten navigieren wie ein echter Nutzer, Schaltflächen anklicken und Eingabefelder bedienen. Die offizielle Projektseite bestätigte das Ende als eigenständiges Produkt, wie Wired zuerst berichtete.
NEW: Google quietly shut down Project Mariner yesterday, the web-browsing AI agent it highlighted onstage last year at Google IO.
— Max Zeff (@ZeffMax) May 6, 2026
I reported for WIRED, nearly 2 months ago, that Google had moved staffers off the Project Mariner team as it responded to OpenClaw-style agents. pic.twitter.com/WMBago74vr
Google integriert die Kernalgorithmen nun in den Gemini Agent sowie in den „AI Mode" der Google-Suche. Parallel dazu rollte das Unternehmen Anfang 2026 die Funktion Auto Browse in Chrome aus – sie ermöglicht es dem Browser, mehrstufige Abläufe auf Websites automatisch zu durchlaufen. Einen direkten Zusammenhang mit Mariner bestätigt Google offiziell nicht, die architektonische Ähnlichkeit ist jedoch kaum zu übersehen.
Die Lage in Deutschland
Für Nutzer hierzulande ist Auto Browse derzeit nicht verfügbar. Die Funktion ist ausschließlich US-amerikanischen Abonnenten von Google AI Pro und AI Ultra zugänglich – einen Starttermin für Deutschland, Österreich oder die Schweiz hat Google nicht genannt, wie Golem.de festhält.
Der Grund dürfte nicht nur in der Marktpriorisierung liegen. Browser-Agenten, die selbstständig Formulare ausfüllen, sich in Dienste einloggen und Aktionen im Namen von Nutzern ausführen, werfen unter der DSGVO ernste Datenschutzfragen auf. Google hat sich bislang nicht öffentlich dazu geäußert, wie die Technologie EU-Anforderungen an Transparenz und Datenweitergabe erfüllen soll.
Der Wettbewerb schläft nicht
OpenAI hat mit ChatGPT Atlas bereits im Oktober 2025 einen ähnlichen Agenten eingeführt, Perplexity folgte im Juli 2025 mit Comet. Google kommt damit deutlich später – wählt aber den Weg der tiefen Plattformintegration statt eines eigenständigen Produkts. Das kann ein Vorteil sein: Wer Chrome ohnehin täglich nutzt, bekommt die Funktion direkt ins vertraute Gerät geliefert, ohne eine weitere App.
Ob Googles Konsolidierungsstrategie gegenüber spezialisierten Agenten langfristig gewinnt, bleibt offen. Für Nutzer in Deutschland heißt es vorerst abwarten – und beobachten, ob Google die offenen Fragen zum Datenschutz klärt, bevor ein EU-Start folgt.