Nobelpreis-Material im Lager: Amazon setzt auf MOF-Technik, um HVAC-Kosten um 40 % zu senken
Amazon hat einen mehrjährigen Liefervertrag mit dem US-Klimatechnik-Startup Transaera unterzeichnet. Die zugrundeliegende Technologie – sogenannte Metallorganische Gerüstverbindungen (MOFs) – wurde 2025 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet. Nach einem sechsmonatigen Pilotbetrieb in einem Logistikzentrum in Houston belegt Amazon nun eine US-Produktionskapazität von Transaera für die nächsten drei Jahre.
Das Prinzip
Herkömmliche Klimaanlagen kühlen Luft und entziehen ihr gleichzeitig Feuchtigkeit – ein Verfahren, das viel Energie verschwendet. Die Anlage muss Luft stärker abkühlen, als für den Komfort nötig wäre, nur um Wasser herauszupressen, und heizt den Luftstrom danach wieder leicht auf. Transaeras Dedicated Outdoor Air System (DOAS) trennt diese beiden Schritte konsequent voneinander.
Im Kern des Geräts rotiert ein Rad, das mit MOF-Sorbentien beschichtet ist. Diese Materialien wirken auf molekularer Ebene wie ein Schwamm und entziehen der Außenluft direkt die Feuchtigkeit – bevor diese überhaupt in das Gebäude gelangt. Die so getrocknete Luft durchläuft anschließend einen Wärmetauscher. Laut PRNewswire Transaera expansion schafft das Gerät bis zu 45 kg Wasserentzug pro Stunde und übertrifft damit den US-amerikanischen Mindeststandard für Entfeuchtungseffizienz um das Doppelte.

Das DOAS-Entfeuchtungssystem von Transaera. Illustration: Transaera
Der Einsatz bei Amazon
Amazon testet die Anlage im feuchten Klima von Houston, wo übermäßige Luftfeuchtigkeit Klimaanlagen dauerhaft an ihre Grenzen bringt. Die gemessene Energieeinsparung gegenüber konventionellen Direktexpansionssystemen beträgt 40 %. Für einen Konzern, der bis 2040 klimaneutral sein will, ist das eine messbare Stellschraube: HVAC-Anlagen verbrauchen rund ein Drittel der Energie eines kommerziellen Gebäudes.
Ein praktischer Vorteil: Das Transaera-System lässt sich als Eins-zu-eins-Ersatz in bestehende Lüftungsinfrastruktur integrieren. Eine vollständige Neuinstallation der Haustechnik entfällt – was in der Regel der größte Hemmschuh bei Sanierungsvorhaben in Großbetrieben ist.
Relevanz für den deutschen Markt
Für Betreiber von Logistikzentren, Rechenzentren oder großen Gewerbeimmobilien in Deutschland ist die Technologie prinzipiell interessant. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) schreibt steigende Effizienzanforderungen vor, und Sorbenten-basierte Entfeuchtung könnte helfen, diese zu erfüllen. Bosch Climate und Siemens Building Technologies dominieren hierzulande den Markt für gewerbliche Klimatechnik und haben bislang keine vergleichbare MOF-Lösung angekündigt.
Der Haken: Transaera produziert ausschließlich in den USA. Eine Verfügbarkeit in Deutschland, Österreich oder der Schweiz ist aktuell nicht angekündigt. Die FMI desiccant wheel market EU forecast prognostiziert für den europäischen Sorbenten-Markt ein jährliches Wachstum von 4 %, getrieben durch verschärfte Umweltvorgaben – der Druck auf die Branche steigt also auch ohne Transaera.