Ford Energy: Neue Konkurrenz für Tesla Megapack – aus Kentucky statt Shanghai
Ford steigt offiziell in den Markt für Industriebatteriespeicher ein. Der Automobilhersteller hat den neuen Geschäftsbereich Ford Energy vorgestellt und investiert dafür zwei Milliarden Dollar in ein Werk in Kentucky. Ziel sind 20 Gigawattstunden Jahreskapazität bis Ende 2027 – geplant für Netzbetreiber, Industrieanlagen und Rechenzentren.
Das Produkt
Das Kernsystem besteht aus einem 20-Fuß-Container mit 5,45 MWh nutzbarer Kapazität. Im Inneren arbeiten prismatische LFP-Zellen (Lithium-Eisen-Phosphat) mit 512 Ah – eine Technologie, die auf niedrigere Kosten, längere Zyklenlebensdauer und bessere thermische Stabilität setzt als Nickel-basierte Alternativen. Ford bietet zwei Varianten an: FE-250 (2-Stunden-Entladung) und FE-450 (4-Stunden-Entladung). Die Anlage arbeitet bei -35 °C bis +55 °C, ist nach IP55 geschützt und für den Betrieb bis 4.000 Meter Höhe ausgelegt. Das Gesamtgewicht: 43,5 Tonnen.
Gebaut wird in Kentucky – vollständig in amerikanischem Besitz, ohne Joint-Venture-Abhängigkeit von chinesischen Partnern. Das ist bewusst gewählt: Ford setzt auf US-amerikanische Fördermittel und will Lieferkettenrisiken vermeiden, wie sie beim früheren BlueOval-SK-Projekt entstanden, berichtet Energy-Storage.News.
Der Rückstand und die Konkurrenz
Das Timing ist sportlich. Tesla produziert den Megapack 3 bereits in Serie und hat 2025 insgesamt 46,7 GWh an Speichern ausgeliefert – mehr als doppelt so viel wie Fords angestrebte Jahreskapazität. Preise nennt Ford bislang nicht.
In Europa ist die Ausgangslage für Ford noch schwieriger. Rimac aus Kroatien baut nach Angaben von Teslarati ein vollständig in Europa entwickeltes und gefertigtes Speichersystem mit einem Ziel von 10 GWh. Northvolt aus Schweden hat mit dem Voltpack bereits Projekte in Betrieb. Ford hingegen hat kein europäisches Werk, keinen angekündigten deutschen Vertriebspartner und keinen Zeitplan für Lieferungen nach Deutschland oder Österreich.
Einordnung
Der Markt selbst ist groß genug für mehrere Anbieter. Der Ausbau erneuerbarer Energien – in Deutschland durch die Energiewende, europaweit durch REPowerEU – treibt den Bedarf an Großspeichern. Rechenzentren für KI-Infrastruktur verstärken diesen Trend. Fords Einstieg ist industriell glaubwürdig: Wer Batterielieferketten für Millionen Fahrzeuge managt, kennt die Logistik. Ob die Kentucky-Anlage mit ihren US-Zellen jedoch auf dem deutschen Markt gegen europäische Anbieter und chinesische Konkurrenten wie CATL oder BYD bestehen kann, bleibt offen. Ein Preis fehlt, ein EU-Markteintrittsplan ebenfalls.