Rakete am Schleppseil: Fenix Space testet Luftstart-Prototypen für 2028

Rakete am Schleppseil: Fenix Space testet Luftstart-Prototypen für 2028
Der Fenix-Alpha-Prototyp beim Testprogramm. Foto: Fenix Space. Quelle: Foto: Fenix Space

Während Europa mit Ariane 6 und einer Handvoll Startups um Startkapazitäten ringt, hat ein kalifornisches Unternehmen leise einen Ansatz erprobt, der konventionelle Weltrauminfrastruktur überflüssig machen könnte. Fenix Space hat gerade eine Woche intensiver Testflüge mit seinem Prototypen Fenix Alpha abgeschlossen – vier erfolgreiche Starts, bei denen autonomes Abtrennen und komplexe Flugmanöver demonstriert wurden. Kommerzieller Betrieb ist für 2028 geplant.

Das Prinzip

Das System funktioniert wie ein motorloses Segelflugzeug im Schlepp – nur dass am Ende eine Trägerrakete sitzt. Ein Flugzeug zieht die Fenix Alpha auf rund 40.000 Fuß (etwa 12.000 Meter). In dieser Höhe klinkt sich das Gerät aus, zündet seine eigenen Triebwerke und setzt den Aufstieg ins All fort. Der entscheidende Vorteil: Die dichte, widerstandsreiche untere Atmosphäre wird überbrückt, ohne dass die Rakete vom Boden aus dagegen ankämpfen muss.

Avionik und Software hat Fenix Space vollständig intern entwickelt. Die gleichen Systeme sollen später in der Vollversion Fenix 1.0 zum Einsatz kommen. CEO Jason Lee betont, dass die Nutzung handelsüblicher Start- und Landebahnen sowie wiederverwendbarer Luftfahrtausrüstung die Missionskosten deutlich senken und Starts „auf Abruf" ermöglichen soll – unabhängig vom Zeitfensterdruck großer Raumfahrtzentren.

Der Fenix-Alpha-Prototyp beim Testprogramm. Foto: Fenix Space
Der Fenix-Alpha-Prototyp beim Testprogramm. Foto: Fenix Space

Die US-Situation als Treiber

Der Hintergrund erklärt, warum das Konzept Rückenwind bekommt. Die USA führten 2025 laut Washington Times 194 Orbitalstarts durch – mehr als doppelt so viele wie 2022. Dennoch laufen noch immer rund 95 Prozent davon über zwei Startplätze aus den 1960er-Jahren. Das US-Verteidigungsministerium sieht darin ein Sicherheitsrisiko; die NASA-Führung bezeichnete die Infrastruktur öffentlich als „Engpass für die nationale Sicherheit". Fenix Space hat bereits einen Vertrag für Hyperschalltests im Rahmen eines Pentagon-Programms für schnelle Startbereitschaft, wie Payload Space berichtet.

Europa und der Vergleich

Hierzulande sieht die Lage anders aus. Isar Aerospace aus München gewann zwar den DLR-Wettbewerb für Mikrostarter, scheiterte aber im März 2025 beim Erstflug seiner Spectrum-Rakete. Die ESA hat im Rahmen des Launcher Challenge fünf Startups ausgewählt, darunter zwei deutsche – alle setzen auf vertikale Startverfahren vom Boden. Eine europäische Alternative zum Luftstart existiert derzeit nicht, nachdem Virgin Orbit 2023 an seinem Versuch in Cornwall gescheitert und als Unternehmen zusammengebrochen war. Wie European Spaceflight analysiert, plant ArianeGroup für 2026 eine Verdoppelung der Ariane-6-Starts – die Kapazitätsfrage bleibt damit vorerst klassisch beantwortet.

Ausblick

Fenix Space will ab 2028 zunächst Kleinsatelliten in niedrige Erdumlaufbahnen liefern und Hyperschalltests durchführen. Mittelfristig soll das System mehrere Starts täglich ermöglichen. Eine EASA-Zertifizierung für europäische Flughäfen steht noch aus – doch das Konzept zeigt, dass der Zugang zum Orbit künftig weniger eine Frage der Infrastruktur und mehr eine des richtigen Flugplans sein könnte.

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