Trotz Insolvenz: Nacon hält seine jährliche Spielepräsentation ab
Wer dachte, Nacons finanzielle Schieflage würde das jährliche Showcase begraben, wird eines Besseren belehrt: Der französische Spieleverleger hat den Nacon Connect 2026 offiziell auf den 7. Mai um 20:00 Uhr CEST angesetzt – nur zehn Tage nach der Schließung seines ersten Studios unter der laufenden Restrukturierung.
Der Hintergrund
Die Krise begann, als Bigben Interactive – mit 57 Prozent Hauptaktionär von Nacon – im Februar 2026 einen Unternehmensanleihe im Wert von 43 Millionen Euro nicht zurückzahlen konnte. Die Folge: Nacon und mehrere seiner 16 Studios beantragten das sogenannte Redressement judiciaire, ein französisches Insolvenzverfahren unter Gerichtsaufsicht, das einer Sanierung unter Aufsicht ähnelt. Auch die Studios Cyanide und Kylotonn befinden sich laut Traxion seither unter gerichtlichem Schutz.
Den ersten konkreten Verlust gab es am 29. April: Das Pariser Studio Spiders – bekannt für GreedFall und Steelrising – wurde nach 18 Jahren liquidiert. 75 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verloren ihren Job. Das zuletzt veröffentlichte Spiel GreedFall: The Dying World erreichte beim Start nur rund 1.000 gleichzeitige Spieler – gegenüber 16.000 beim Original. Ein deutliches Zeichen dafür, wie skeptisch Käufer einem Publisher in der Krise gegenüberstehen.
Das Programm am 7. Mai
Trotzdem hält Nacon an seinem Showcase fest. Laut KitGuru soll der Nacon Connect 2026 neue Spiele, Erweiterungen für bestehende Titel sowie PC- und Konsolen-Peripherie vorstellen. Vom geschlossenen Studio Spiders ist dabei naturgemäß nichts mehr zu erwarten.
Diese Offenheit im Umgang mit der Krise ist ungewöhnlich: Viele Publisher verschweigen Restrukturierungen so lange wie möglich. Nacon hingegen kommuniziert aktiv – ob aus strategischem Kalkül oder schlichter Notwendigkeit, lässt sich schwer sagen.
Was das für die Branche bedeutet
Der Fall Nacon ist kein Einzelphänomen. Mittelgroße europäische Entwickler und Verleger – sogenannte AA-Studios – geraten zunehmend unter Druck, wenn ihr Mutterkonzern strauchelt. Vergleichbare Situationen kennt man hierzulande aus der Geschichte von Daedalic Entertainment oder den Turbulenzen bei Crytek. Die Abhängigkeit von einem einzigen Hauptinvestor wird zur Schwachstelle, sobald dessen Kreditrahmen reißt. Ob Nacon den Showdown übersteht oder weitere Studios folgen, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.