Roboterhunde statt Rekruten: Südkorea will Hyundai-Roboter ins Militär integrieren
Südkoreas Militär verliert Soldaten schneller, als es sie ersetzen kann – und setzt nun auf Robotik. Die Zahl der aktiven Streitkräfte sank von rund 650.000 im Jahr 2020 auf etwa 450.000 im Jahr 2025. Das Verteidigungsministerium hat deshalb Gespräche mit Hyundai Motor aufgenommen, um KI-gestützte Robotersysteme in die Streitkräfte zu integrieren, berichtet Bloomberg. Ein Memorandum of Understanding soll bald folgen – konkrete Stückzahlen und Beschaffungskosten nennt Seoul bisher nicht.
Der Einsatz
Im Mittelpunkt der Planungen steht Spot, der vierbeinige Laufroboter von Boston Dynamics. Hyundai übernahm das US-Unternehmen 2021 und hält seitdem eine Mehrheitsbeteiligung. Spot soll in Südkorea vor allem Minenfelder und Küstenabschnitte patrouillieren – Aufgaben, für die bislang zwei oder mehr Soldaten eingeplant werden. In den USA und Kanada setzen bereits über 60 Bombenentschärfungs-Einheiten auf Spot, wie Boston Dynamics bestätigt.
Ergänzt wird Spot durch MobED, eine vierräderige Allgeländeplattform. Ihr Federungssystem hält das Gehäuse auch auf Treppen oder unebenem Untergrund waagerecht – ideal für den Transport empfindlicher Ausrüstung oder Munition direkt in die Stellung.

Daneben interessiert sich das Militär für das Exoskelett X-ble Shoulder von Hyundai. Es entlastet Schulter und Rücken, trägt bis zu 40 Kilogramm mit und soll Soldaten beim Entladen von Nachschub und bei Wartungsarbeiten vor Erschöpfung und Verletzungen schützen. Alle drei Systeme sind vorerst ausschließlich für nicht-kämpferische Aufgaben vorgesehen: Aufklärung, Überwachung, Logistik.
Die europäische Dimension
Für den deutschen Markt ist das Geschehen in Seoul kein fernes Branchenthema. Hyundai investiert 6,3 Milliarden US-Dollar in ein KI- und Robotikzentrum in Südkorea, während HD Hyundai Robotics Banken für ein IPO mandatiert hat. Gelingt der Börsengang, entsteht ein kapitalstarker Konkurrent für europäische Industrierobotik-Anbieter wie Bosch Rexroth und Siemens.
Gleichzeitig wirft das südkoreanische Modell Fragen auf, die hierzulande noch unbeantwortet sind: Der EU AI Act stuft autonome Systeme mit Überwachungsfunktionen als hochriskant ein – wie das auf militärische Beschaffung angewendet werden soll, ist regulatorisch noch ungeklärt. Südkoreas Ansatz, Roboter strikt auf nicht-kämpferische Rollen zu beschränken, könnte dabei als Orientierung dienen.
Boston Dynamics hat sich 2022 verpflichtet, Spot nicht zu bewaffnen – erlaubt aber explizit den militärischen Einsatz für Inspektion, Logistik und Gefahrgut. Das südkoreanische Pilotprojekt wird zeigen, wie belastbar diese Grenzziehung in der Praxis ist.