Nirvana per USB-C: Chinesischer Roboter wird buddhistischer Mönch in Südkorea
Ein chinesischer Humanoidroboter namens Gabi wurde am 6. Mai im Jogyesa-Tempel in Seoul als buddhistischer Mönch ordiniert. Der Unitree G1 erhielt einen Dharmanamen – „Gabi" bedeutet „Mitgefühl" – und legte fünf angepasste Gelübde ab. Das Ereignis überschritt kurz darauf die Millionengrenze an Videoaufrufen und wirft Fragen auf, die weit über Südkorea hinausgehen.
Die Zeremonie
Die Ordination verlief nach traditionellem Zeremoniell: Räucherstäbchen, Gebetsketten, farbige Lampions. Statt des üblichen „Yeonbi"-Rituals – bei dem Novizen sich Räucherwerk auf den Unterarm brennen lassen – wurde Gabi lediglich ein Festival-Sticker auf das Gehäuse geklebt und eine Halskette umgehängt. Die fünf Gelübde wurden eigens für eine KI formuliert: Leben schützen, andere Roboter und Eigentum nicht beschädigen, Menschen gehorchen, Täuschung vermeiden – und Energie sparen statt zu fasten.
Dieses letzte Gelübde ist vielleicht das aufschlussreichste: Askese für ein Gerät, das am Stromnetz hängt, bedeutet eben Ladezyklen zu optimieren. Laut BuddhistDoor hat der Jogye-Orden die Gelübde mithilfe von Gemini und ChatGPT formuliert – KI schreibt also die Regeln für KI.
Das Gerät
Gabi ist technisch das Modell Unitree G1, ein 1,32 Meter großer, rund 35 Kilogramm schwerer Humanoid des chinesischen Herstellers Unitree Robotics. Der Basispreis liegt bei 13.500 US-Dollar (etwa 12.400 Euro). Das Gerät verfügt über bis zu 43 Freiheitsgrade und LiDAR-Sensorik – ursprünglich für industrielle und Forschungsanwendungen konzipiert, nicht für den Tempel. In Deutschland ist der G1 über die Unitree-Website bestellbar; im stationären Handel bei MediaMarkt oder Saturn ist er nicht gelistet.
Die Debatte
Der Jogye-Orden, Südkoreas größte buddhistische Gemeinschaft, begründet den Schritt offen mit Mitgliederschwund. Der Ordenspräsident Jinwoo rief dazu auf, „die KI-Ära furchtlos anzuführen". Laut Korea Herald gilt das als Versuch, eine jüngere, technikaffine Generation anzusprechen.
Akademische Stimmen sind gespalten. Forscher der Universität Wien verweisen auf eine Tendenz zur „dogmatischen Ablehnung" religiöser Maschinen im westlichen Kontext, während östliche Traditionen die korrekte Ausführung eines Rituals höher gewichten als die innere Überzeugung des Ausführenden – laut einer Analyse in Springer AI & Society. Weltweit gibt es inzwischen mindestens 18 Roboter mit religiösen Funktionen; Japans Pepper-Roboter führte bereits 2017 buddhistische Beerdigungen durch.
Ende Mai soll Gabi am Lotuslaternenfestival in Seoul teilnehmen – dem ersten öffentlichen Auftritt als ordinierter Mönch.