China gibt 6GHz-Frequenzen für 6G frei – und setzt den Rest der Welt unter Druck

China gibt 6GHz-Frequenzen für 6G frei – und setzt den Rest der Welt unter Druck

Chinas Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) hat am 8. Mai 2026 offiziell Testfrequenzen im 6GHz-Band für die Entwicklung von 6G freigegeben. Empfänger ist die IMT-2030 (6G) Promotion Group – Chinas wichtigster Koordinator für die nächste Mobilfunkgeneration. Während Europa noch über die Aufteilung des Spektrums streitet, beginnt China bereits mit Feldversuchen in ausgewählten Regionen.

Das Frequenzband

Der 6GHz-Bereich gilt in der Telekommunikation als besonders attraktiv. Er bietet deutlich höhere Datenraten und geringere Latenz als heutiges 5G – und das bei einer Reichweite, die Millimeterwellen nicht erreichen. Millimeterwellen übertragen zwar enorme Datenmengen, werden aber schon von Wänden oder Bäumen blockiert. Das 6GHz-Band verspricht dagegen eine stabile Verbindung für breite Konsumenten- und Industrieanwendungen. Nach den Plänen der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) soll 6G die technische Grundlage für KI-Anwendungen im großen Maßstab, Holografie und autonomen Verkehr bilden.

Deutschland und die EU im Rückstand

Hierzulande ist die Lage komplizierter. Die europäische Frequenzvergabegruppe RSPG hat im November 2025 lediglich 540 MHz des oberen 6GHz-Bandes für den Mobilfunk freigegeben – China reserviert das gesamte Band für mobile Netze. Die EU-Mitgliedstaaten koordinieren unterschiedlich, was eine einheitliche Standardisierung verlangsamt, wie die Digital Regulation Platform analysiert.

Für die deutsche Industrie bedeutet das ein konkretes Risiko: Unternehmen aus dem IoT- und Industriebereich – etwa Zulieferer für vernetzte Fertigung oder Logistik – müssen sich möglicherweise auf zwei parallele Standards vorbereiten: den chinesisch geprägten und den offenen Open-RAN-Ansatz der EU und USA. Doppelte Entwicklungskosten und verzögerte Markteinführungen wären die Folge, wie das Europäische Parlament757633_EN.pdf) in einer Analyse zu Hexa-X-II und dem deutschen 6G-ANNA-Projekt festhält.

Dazu kommt der Patentdruck: China hält bereits rund 47 Prozent aller weltweit angemeldeten 6G-Patente, Huawei allein über 12.000. Wer die Feldversuche vor dem ITU-Einreichungsfenster 2028 kontrolliert, stärkt seine Ansprüche auf essenziell erklärte Patente – und damit seinen Einfluss auf den späteren Weltstandard.

Wann kommt 6G?

Für Verbraucher gilt: kein Grund, das aktuelle Smartphone zu wechseln. Ein kommerzieller 6G-Betrieb wird nicht vor 2030 erwartet, realistisch eher zwischen 2032 und 2035 – je nach Region. Derzeit läuft ausschließlich die Phase der Feldversuche und Standardisierungsarbeit. Wer heute noch auf stabilem 5G wartet, dürfte 6G ohnehin erst als übernächsten Schritt erleben.

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