Stellarator statt Tokamak: UK-US-Konsortium will erste private Fusionsanlage bauen

Stellarator statt Tokamak: UK-US-Konsortium will erste private Fusionsanlage bauen

Ein britisch-amerikanisches Konsortium will die Fusionsenergie aus dem Labor in die Praxis bringen. Type One Energy, Tokamak Energy und AECOM haben am 6. Mai 2026 das UK Infinity Fusion Consortium gegründet, um Großbritanniens erste private Fusionskraftwerk zu entwickeln. Kern des Projekts ist der Stellarator Infinity Two mit einer Leistung von 400 MW – und einem konkreten Zeitplan für kommerzielle Netzeinspeisung in den 2030er-Jahren, wie der AECOM-Pressemitteilung (6. Mai 2026) zu entnehmen ist.

Das Gerät: Stellarator statt Tokamak

Ein Stellarator hält Plasma durch geometrisch hochkomplexe Magnetspulen stabil – ohne die starken Ströme, die ein Tokamak benötigt. Das macht ihn im Dauerbetrieb potenziell zuverlässiger, bislang aber auch deutlich aufwendiger zu konstruieren. Type One Energy argumentiert, dass moderne Rechnerkapazitäten diese Komplexität heute beherrschbar machen. Die Anlage soll 800 MW Fusionsleistung erzeugen und davon rund 350 MWe ins Netz abgeben. Das Konzept basiert auf bewährten Prinzipien: Genau diesen Ansatz demonstriert der Wendelstein 7-X (W7-X) am Max-Planck-Institut in Greifswald seit Jahren im stabilen Dauerbetrieb.

Rollen im Konsortium – und ein amerikanischer Vorläufer

Die drei Partner teilen klare Aufgaben auf: Type One Energy liefert das Stellarator-Design, Tokamak Energy – trotz des Namens ein Spezialist für Hochtemperatur-Supraleiter – steuert die HTS-Magnete bei, AECOM übernimmt Engineering und Infrastruktur. Das britische Projekt ist kein Erstversuch ins Ungewisse: In Tennessee läuft bereits die parallele Initiative TVA Infinity Two am Standort Bull Run, mit geplantem Betriebsbeginn 2034 und einem möglichen Baubeginn schon 2028. Die US-Anlage dient als praktischer Risikotest, bevor das UK-Projekt in die heiße Phase geht. Die britische Regierung hat bislang 2,5 Milliarden Pfund in den Fusionssektor investiert, neben dem staatlichen STEP-Programm, das auf sphärische Tokamaks setzt.

Der deutsche Vergleich

Während das UK-Konsortium seinen Kurs absteckt, geht Deutschland einen eigenständigen Weg. Proxima Fusion aus München unterzeichnete im Februar 2026 ein Abkommen mit Bayern, RWE und dem Max-Planck-Institut, um den Demo-Stellarator Alpha in Garching und später den kommerziellen Stellaris in Gundremmingen zu bauen – mit einem Gesamtbudget von rund 2 Milliarden Euro bis 2029, berichtet World Nuclear News. Proxima setzt dabei auf QI-optimierte HTS-Magnete, während Type One Energy auf klassische Optimierungsrechnung vertraut. Beide Ansätze wurzeln im Erfolg des W7-X – aber die deutschen Akteure bringen einen klaren Heimvorteil mit: jahrzehntelange Expertise direkt aus Greifswald. Ob UK oder Deutschland zuerst Strom aus einem kommerziellen Stellarator liefert, bleibt offen. Dass die Technologie den Weg aus dem Forschungsbetrieb herausfindet, gilt heute als wahrscheinlicher denn je.

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